Im Coaching erlebe ich es immer wieder. Sobald ich dem Klienten die positiven Aspekte aufzeigen möchte, kommt sofort: „Ja schon klar, jetzt soll ich wieder die rosarote Brille aufsetzen und dann ist wieder alles gut? Nein, nicht mit mir.“ Es herrscht Zweckpessimismus in unseren Köpfen und dahinter verbirgt sich die Angst enttäuscht zu werden, wenn mal was nicht so funktioniert wie es funktionieren soll. Das Problem dabei ist nur, die Hoffnung der Zweckpessimisten erfüllt sich leider nicht. Sie sind trotzdem enttäuscht, wenn es nicht funktioniert, weil da doch noch dieser kleine Hoffnungsschimmer im Hinterstübchen des Oberstübchens vor sich hin geglimmt hat. Teilweise sehe ich hier auch ein typisch deutsches Problem. Oft hören wir in jungen Jahren von unseren Eltern Sätze wie:

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
Das Leben ist kein Ponyhof
Spare in der Zeit, dann hast du in der Not
Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen
Ohne Fleiß kein Preis
Nur unter extremen Druck entstehen Diamanten

Solche Sprichwörter befeuern unser Gehirn mit den Glaubenssätzen „Achtung, wenn du nicht aufpasst, wirst du über den Tisch gezogen. Wenn du Erfolg haben willst, musst du hart arbeiten.” Dies lässt einen Teil unseres Gehirns in Alarmbereitschaft versetzten. Die Amygdala spielt hier eine ziemlich starke Rolle. Sie ist ein Teil unseres limbischen Systems in unserem Gehirn. Sie spielt vor allem bei der Entstehung der körperlichen Angst eine Rolle und ist somit für den Stress in uns verantwortlich. Indem die Amygdala ständig mit negativen Glaubenssätzen und einer ordentlichen Portion selbst erfüllender Prophezeiungen befeuert wird, ist die Angst mächtig in uns. Die ständige Angst in uns, fährt das Immunsystem runter. Wir werden anfälliger für Krankheiten und fühlen uns vom Leben bestraft.

Negative Gedanken schaden unserem Körper. Wie du glaubst das nicht? Ok, ein anderes Beispiel:

Im Jahre 1981 führte die Harvard-Psychologin Ellen Langer ein bahnbrechendes Experiment durch. In einem Seniorenheim änderte sie die Einrichtung der Bewohner zurück in die Zeit von 1959. Es lagen die Zeitschriften der damaligen Zeit aus, das Mobiliar wurde entsprechend angepasst und auch die Sendungen im Fernsehen und die Musik im Radio waren aus dieser Zeit. Nach kurzer Zeit geschah etwas schier Unglaubliches. Die Teilnehmer des Experiments wiesen gegenüber der Kontrollgruppe, wesentlich bessere Vitalwerte auf und auch die Leistung des Gehirns waren bei weitem besser.

Der Körper der Senioren hat auf die veränderte Umwelt mit einer Verbesserung reagiert. Eine starke Vorstellung, sich etwas vor sein geistiges Auge zu stellen, kann diese veränderte Umwelt nachahmen. Wir haben es in der Hand wie wir uns fühlen wollen. Alles ziemlich einfach, oder? Nur vors geistige Auge stellen und alles wird gut? Leider nein! Wie so oft liegt die Ursache, dass wir immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen, in der Steinzeit. Damals war es für unsere Vorfahren überlebensnotwendig kritisch zu sein und hinter jeder Hecke einen Säbelzahntieger zu vermuten. Heute gibt es keine Säbelzahntiger mehr. Wir denken aber noch immer wie in der Steinzeit. Probleme sind unserem Gehirn vertraut und wir haben ganz viele Bilder und Erfahrungen dazu abrufbereit in unserem Gedächtnis. Lösungen sind diffus und nicht greifbar. Manchmal unternehmen wir einen Vorstoß in eine positive Verhaltensänderung. Wir möchten abnehmen oder gar mit dem Rauchen aufhören. Nach einiger Zeit holt uns aber unsere Vergangenheit wieder ein. Wir sind in unseren alten Verhaltensweisen gefangen und blicken lieber zurück, nach bereits Erlebten, als in die Zukunft. In gewissen Bereichen macht das durchaus Sinn. Einmal als Kind auf die heiße Herdplatte gefasst, sollte das nie wieder passieren, und zwar nicht nur bei dieser einen Herdplatte, nein ab sofort bei allen Herdplatte dieser Welt die heiß sind. Ab und an kann es aber auch passieren, dass wir und ungerecht behandelt fühlen. Da drängelt sich jemand in der Warteschlange vor und wir reagieren völlig überzogen und schreien den Drängler an. Anders gesagt rebelliert das innere Kind in uns. Es wird traurig, wütend oder ist irritiert.

Wir reagieren mit sehr starken Gefühlen aus denen Stress entsteht und werden auf “Kampf oder Flucht” programmiert. Deshalb ist es so wichtig an seinen Emotionen zu arbeiten.

Den Zugriff auf unsere Emotionen bekommen wir über unsere Gedanken. Gedanken, die zu Bildern werden, die Bilder wiederum führen zu Körperempfindungen. Wenn ein Gedanke, der in einer Emotion mündet und unser Handeln steuert, uns in eine wirklich brenzlige Situation führen kann, kann er uns dann nicht auch herausführen oder gar in eine positive Situation führen?

Wie so oft liegt die Lösung im Wechsel der Perspektive. Im Coaching nennen wir das Refraiming. Die Situation in einem anderen positiven Rahmen betrachten. Hier auch gleich der Hinweis an die Skeptiker. Wir reden uns Situationen nicht schön, nein. Wir sorgen dafür, dass es uns in Situationen, die wir eh nicht ändern können, weil sie eben so sind, wie sie sind, besser fühlen. Wir haben dadurch weniger Stress und fühlen uns fitter und gesund.

Das Refraiming geht ursprünglich auf die Arbeit von Richard Bandler und John Grinder zurück (“Refraiming”, Junfermann 1995 (Original USA 1982: Refraiming)

Der wichtigste Grundsatz beim Refraiming ist die Frage “Wofür ist das, was mir gerade widerfahren ist, gut?”

Beispiel: Eine Absage auf deine Bewerbung

Typische Gedanken wären hier vielleicht:
Bin ich zu alt, um eine neue Stelle zu finden?
Ist meine Qualifikation doch zu gering für so eine Stelle?
Waren meine Bewerbungsunterlagen einfach nicht gut genug?
Bin ich überhaupt gut genug für so eine Position?

Diese Art von Fragen dient auch ein Stück weit der Analyse. Du solltest es damit aber nicht übertreiben.
Ganz schlecht, da Selbstbetrug ist:”Pahh ich wollte die Stelle ja eh nicht.” natürlich wolltest du sie, schließlich hast du dich darum beworben.

Klassische Refraiming-Fragen hierzu:

Frage: Was ist das Gute daran das ich die Stelle nicht bekommen habe?
Antwort: Ich habe hierdurch die Chance eine neue Stelle zu suchen, oder mich völlig neu auf dem Markt zu Positionieren.

Frage: Wofür ist es gut weiter hier zu verweilen?
Antwort: Ich kann mich weiter um Menschen und Dinge kümmern, die mir wichtig sind und auch guttun.

Frage: Was kann ich aus der Erfahrung lernen?
Antwort: ich lerne dadurch immer besser mit Zurückweisungen und Ablehnungen umzugehen. Dies kann mir auch in anderen Situationen helfen.

Leider können wir unser problemorientiertes Denken nicht einfach aus dem Kopf löschen. Das Gute ist, dass wir mit Übung und auch mit Unterstützung eines Coaches das Refraiming in unseren Lebensalltag integrieren können. Wir werden zuversichtlicher und es ist ein ordentlicher Schub in Richtung Resilienz.

Gerne unterstütz ich dich dabei.

Nico Pirner ist NLP Lehrtrainer und systemischer Coach  in Nürnberg. Neben den Coachings, die online und auch vor Ort stattfinden, bildet er in Nürnberg NLP Basic und Practitioner aus. Er ist Fachbuchautor und hält leidenschaftlich gerne Onlinepräsentationen zu neuen spannenden Themen, rund um das Coaching.
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