Kürzlich entdeckte ich einen Artikel über ein Buch von Bronnie Ware mit dem Titel “Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”

Bronnie Ware arbeitete 8 Jahre als Palliativpflegerin und führte viele Gespräche mit Menschen kurz vor deren Tod.
In ihrem Buch nennt sie die fünf häufigsten Dinge die Sterbende bereuen:

1. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben

2. “Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet”

3. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken”

4. “Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten”

5. “Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein”

Als ich das gelesen hatte, kam mir sofort ein etwas kurioses Bild in den Sinn. Ein Mensch der seine inneren Anteile wie zum Beispiel:
seine Lebenslust, seine persönliche Freiheit, seine Gesundheit, sein lachendes inneres Kind und seine Kreativität in eine Besenkammer sperrt und mit aller Kraft die Tür zu hält. Sein Leben lang wendet er eine ungeheure Energie auf, um diese Tür verschlossen zu halten. Schließlich lässt die Kraft nach und die Tür öffnet sich. Die eingesperrten Anteile sind zwar jetzt frei erkennen aber, dass keine Energie und Zeit mehr da ist um gelebt werden. Eine tiefe Trauer in Verbindung mit dem Gefühl sein Leben nicht gelebt zu haben, verbindet sich zu einer Sehnsucht, die nicht mehr erfüllt werden kann.

Wie kommt es nun, dass wir Menschen solche wundervollen Anteile in die Besenkammer sperren und sehr viel Kraft aufwenden, um die Tür verschlossen zu halten? Meist sind es Regeln und Normen die später in uns zu festen Überzeugungen werden. Das beginnt schon in der Kindheit.
Sätze wie:

Sei nicht so albern
Nimm dich nicht so wichtig
Zeichnen ist anscheinend nicht deine Stärke
Das Leben ist kein Spaß
Mach nicht so ein Theater
Um Erfolg zu haben, musst du erst Leistung erbringen
Lernen muss keinen Spaß machen dafür wurde es auch nicht gemacht
Ein Indianer kennt keinen Schmerz
Zu seinen Entscheidungen muss man stehen
Nur unter Druck entstehen Diamanten

Ganz kurios wird es, wenn uns die Werbung einreden möchte das:
Männer plötzlich im Haushalt helfen, nur weil sie mit einem Stab, an dem ein Staubmagnet befestigt ist, wild fechtend durch die Wohnung hopsen dürfen.
oder
Das Frauen, wenn sie die Flasche eines bestimmten Likörs in der Hand halten, plötzlich anfangen erotisch zu tanzen.

Dies alles versucht uns zu formen und anscheinend gesellschaftsfähig zu machen, in diesem Fall unseren Konsum zu steigern.

Woher nehmen wir die Kraft diese Anteile ein Leben lang im Besenschrank zu halten?
Die Antwort liegt auf der Hand, es sind die inneren festen Überzeugungen und der damit verbundene Glaube an deren Richtigkeit. Es sind Glaubenssätze in uns, von denen wir so derart überzeugt sind. Werden sie allerdings auf deren Plausibilität hinterfragt, beginnt es an der Festung zu bröckeln. Da unser Gehirn (die faule Socke) aber einen obersten Grundsatz hat, nämlich Energie zu sparen, ist es nicht ganz so einfach an diese Glaubenssätze heranzukommen.
Glaubenssätze kommen automatisch in einem hoch, manchmal sind sie auch hilfreich. So ist beim Üben einer bestimmten Tätigkeit der Glaubenssatz “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.” ein Spruch, der uns ermutigt weiterzumachen.
In diesem Artikel soll es aber darum gehen die dich behinderten Glaubenssätze zu identifizieren. Im Prinzip ist das ganz einfach. Allerdings benötigst du dafür Stift und Papier. Ohne geht es leider nicht. Es nur in Gedanken durchzuspielen hat eine wesentlich geringere bis gar keine Wirkung. Wenn du wirklich an deinen negativen Glaubenssätzen arbeiten möchtest, schreibe zu folgenden Fragen ein kleines Statement:

Wie denkst du über dein Leben?
Was konkret für ein Mensch bist du?
Welche Überzeugungen hast du, wenn es um Freunde von dir geht?
Wie denkst du über deine aktuelle Tätigkeit im Job?

Sobald du deine kleinen Statements fertig geschrieben hast, kannst du mit einem Textmarker auf die Suche nach negativen Glaubenssätzen gehen. Markiere alle Sätze, wenn du:

Durch diese Überzeugung eine in eine negative Grundstimmung kommst.
Durch diese Aussagen oder Verhaltensweisen schon einmal dazu geführt hat, dass du etwas nicht erreicht hast.
Durch diese Aussagen oder Verhaltensweisen andere Menschen irritiert hast oder wenn es dadurch zu Konflikten kam.

Wenn du eine dieser Aussagen in Verbindung mit der Überzeugung bestätigen kannst, handelt es sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit um einen negativen Glaubenssatz.
Nachdem du deine negativen Glaubenssätze alle herausgefiltert hast, kannst du sie jetzt hinterfragen. Nimm dir eine nach den anderen dieser Überzeugungen vor und stelle dir dazu folgende Fragen:

Ist das wirklich wahr was da steht? Oder ging das in meinem Leben auch schon einmal anders (also positiver) aus? Sammle hierzu Beweise aus der Vergangenheit.
Wer bin ich und wer werde ich in Zukunft sein, wenn ich das weiterhin glaube?
Wie wirke ich auf mein Umfeld, wenn ich das weiter glaube. Wirke ich vielleicht negativ oder destruktiv? Möchte ich auch in Zukunft so wahrgenommen werden?

Nimm jeden einzelnen dieser Glaubenssätze und formuliere sie um.

Aus:
Eigenlob stinkt, ich sollte mich nicht so sehr hervorheben.

Wird:
Ich darf stolz auf mich sein, denn es ist ein Ausdruck von Selbstliebe.

Wann immer dieser Glaubenssatz in dir hochkommt, darfst du ein mentales Stoppsignal setzen und dir den positiven Glaubenssatz bewusst machen.
Wie? Du bist der Meinung das sei zu anstrengend? Das ist falsch, denn sobald du diese Technik umsetzt, passiert etwas Magisches.
Plötzlich geht die Tür der Besenkammer ein winziges Stück auf und die Anteile blinzeln dir durch den Türspalt entgegen. Das ist der Moment an dem dir bewusst wird, dass du keine Energie mehr in das Zurückhalten der Anteile stecken musst. Ja das dir damit sogar selbst schadest.
Denn du bist einzigartig und völlig in Ordnung, so wie du bist.

Nico Pirner ist NLP Lehrtrainer und systemischer Coach  in Nürnberg. Neben den Coachings, die online und auch vor Ort stattfinden, bildet er in Nürnberg NLP Basic und Practitioner aus. Er ist Fachbuchautor und hält leidenschaftlich gerne Onlinepräsentationen zu neuen spannenden Themen, rund um das Coaching.
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