“Du das Logo muss noch zwei Pixel nach links” ich sah meinen Kollegen wie einen Außerirdischen an, doch der blieb ernst und kniff die Augen zusammen, um das Logo in die exakte Position zu navigieren. Ich war schon lange raus, sah aus dem Fenster und beobachtete die Zugvögel. Mein Kollege indes richtete weiter aus und verkündete nach einer gefühlten Ewigkeit Vollzug. Als wir dann unser gemeinsames Schreiben per E-Mail versandt hatten, wurde mir klar, dass mir hier gerade eine ordentlichen Portion Perfektionismus begegnet war. Grund genug, sich damit zu beschäftigen.

Ist mein Kollege nun von Geburt an ein Kümmelsenkrechtspalter und bereitet es ihm Freude sich mit jedem noch so geringen Detail zu beschäftigen? Das mit der Freude kann ich so nicht glauben, denn mein Kollege verließ das Büro eher erleichtert als freudig hopsend. Dann ist es wohl eher so, dass es vielmehr die Angst ist, kritisiert oder gar abgelehnt zu werden. Es ist der verzweifelte Versuch, durch Perfektion sich dieser Angst nicht stellen zu müssen. Viele Perfektionisten verbinden ihren Selbstwert auf eine übertriebene Weise mit dem Erbringen von Leistung. Der Glaube daran, dass Anerkennung und Lob von anderen Menschen nur davon abhängen, zu jeder Zeit Bestleistung zu erbringen. Wie so oft sind es Erfahrungen aus der Kindheit über bestimmte Lernerfahrungen und der dadurch ein Drang nach Anerkennung und Akzeptanz. Dabei werden Perfektionisten sehr häufig im Arbeitsleben dafür gerügt, nicht rechtzeitig fertig zu werden. Dies stört sie aber weniger, geht es doch darum eine perfekte Arbeit abzuliefern und das dauert eben seine Zeit. Etwas Perfektionismus ist natürlich gar nicht schlecht.

Wenn der Perfektionismus bzw. die Angst vor Fehlern, unser Handeln bestimmt wird es problematisch. Häufig kommt es auch zu Konflikten mit Kollegen, gerade wenn Perfektionisten Führungsaufgaben übertragen bekommen und von ihren Mitarbeitern die gleichen Anforderungen wie an sich selbst stellen.

Hier einige Regeln sie du übertriebenen Perfektionismus eindämmen kannst:

1. Analysiere den Auftrag deines Kunden/Arbeitgebers genau (ich weiß das du das als Perfektionist besonders gut kannst) und erfülle auf den Punkt genau diesen Auftrag. Nicht mehr und nicht weniger.

2. Sei gnädig mit dir selbst. Nimm Kontakt mit deinem inneren Perfektionisten auf. Ja du liest richtig. Das bist nicht Du, das ist nur ein Anteil in dir der es gut meint. Schließlich will er dich vor Kritik schützen. By the way. Kritik ist nicht immer etwas Negatives. Sich die Meinung anderer anzuhören und mit ihnen über deine Arbeit zu diskutieren, bringt dich enorm weiter.

3. Mach es wie ein Adler. Fliege im Geiste über die Aufgabe und betrachte das große Ganze von weit oben. Details sind wichtig, aber sich nur in ihnen zu verlieren führt dazu, dass du dich früher oder später darin verzettelst.

4. Kennst du das Pareto Prinzip? Falls nicht, solltest du dich unbedingt damit beschäftigen. Es besagt, dass 20 Prozent des Aufwands für 80 Prozent des Ergebnisses sorgen. Dieses Pareto Prinzip lässt sich auch in der Natur nachweisen. Überlege für dich, ob in vielen Fällen nicht auch die 80 Prozent Ergebnis ausreichen.

5. Beziehe Freunde und Kollegen mit ein, indem du sie um Hilfe bittest. Das Ergebnis wird dich überraschen. Es fliesen dadurch viel mehr Ideen ein und oft entsteht dadurch etwas noch viel Besseres.

6. Vereinfache die Zielsetzung so gut es geht. Wie eingangs beschrieben geht es nicht darum zu zeigen wie ein Logo optimal positioniert wird, sondern darum eine Info zeitnah an ein Team zu senden.

Nico Pirner ist NLP Lehrtrainer und systemischer Coach  in Nürnberg. Neben den Coachings, die online und auch vor Ort stattfinden, bildet er in Nürnberg NLP Basic und Practitioner aus. Er ist Fachbuchautor und hält leidenschaftlich gerne Onlinepräsentationen zu neuen spannenden Themen, rund um das Coaching.
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