Am 12.05.2021 twittert das Satiremagazin extra 3 folgenden Text: “ Experten-Nation Deutschland: Erst 80 Mio. Bundestrainer, dann 80 Mio. Virologen, jetzt 80 Mio. Nah-Ost-Experten. Wir können alles. Außer einfach mal die Klappe halten.“

Gut, ich gehe bei diesem Zitat nicht ganz mit. Es betrifft nicht nur die Deutschen, sondern nahezu alle Menschen.  Wir neigen dazu uns selbst zu überschätzen. Woran liegt das?

Unser positives Selbstbild entspricht nicht immer der Realität. Wir neigen hin und wieder zur Selbstüberschätzung. Eine zu hohe Überzeugung von sich selbst führt zu einem gesteigertem Selbstwert, Dieser wiederum führt dazu, dass im Gehirn Glückshormone ausgeschüttet werden. Der Teufelskreis schließt sich.

Gerade wenn es darum geht sich in ein neues Wissensgebiet einzuarbeiten, tappen wir häufig in die Falle des gefährlichen Halbwissens. Wir informieren uns, lesen einige Artikel im Internet darüber, sehen uns YouTube Videos an und tauschen uns mit anderen Menschen aus. Bis dahin haben wir vielleicht auch nur einen Bruchteil des Wissens, glauben aber diese Materie zu beherrschen. Gesteigert wird das Ganze, wenn sich in dieser Phase erste Erfolge unser überzogenes Selbstbild weiter befeuern.

Das uns andere Autofahrer anhupen und teilweise mit überhöhter Geschwindigkeit an uns, in teilweise gefährlichen Manövern, vorbeifahren liegt auch an deren Selbstüberschätzung. Sie glauben Experten zu sein, wenn es ums Autofahren geht. Im Jahr 2019 verunglückten rund 66,7 % der jungen Erwachsenen (18- bis 24-Jährige) als Insassen im PKW. Auch hier liegt es teilweise an einer Selbstüberschätzung bezüglich des Autofahrens.

Die beiden amerikanischen Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger untersuchten 1999 dieses Phänomen.

So befragten sie innerhalb einer Studie an der Cornell University (New York) Studenten zu ihrer Selbsteinschätzung im logischen Denken und Grammatik. Das Ergebnis zeigte ganz klar, dass Studierende, die sich besonders gut in einem der Themen einschätzten, in den Prüfungen sehr schlecht abschnitten. Studenten, die eher tiefgestapelt haben, waren dagegen überrascht über da sehr gutes Ergebnis, dass sie bei den Tests erzielt hatten.

Aufgrund dieser Ergebnisse formulierten sie vier Formen der Selbstwahrnehmung bei Menschen mit geringer Kompetenz auf einem bestimmten Wissensgebiet.

  • Die eigenen Fähigkeiten werden diesbezüglich überschätzt
  • Dadurch fällt es ihnen schwer das Ausmaß ihrer Defizite zu erkennen
  • Dies führt wiederum dazu, dass sie ihr Wissen nicht erweitern
  • Andere Menschen, mit einer höheren Kompetenz auf diesem Gebiet, werden unterschätzt

Ein prominentes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt ist sicherlich Donald Trump. Auf die Frage wie populär er sei sagte er: „Ich könnte mitten auf der 5th Avenue stehen und auf jemanden schießen, und ich würde trotzdem keine Wähler verlieren.“

Wir alle können vom Dunning -Kruger-Effekt betroffen sein, nur wie schützen wir uns und andere davor?

In meiner Grafik habe ich die Kompetenzstufen mit dem Dunning-Kruger-Effekt verbunden. Hier ist ganz klar eine Transformation erkennbar.

Einige Tipps wie du dich und andere davor schützen kannst:

  1. Hinterfrage dich und dein Wissen immer wieder selbst.
  2. Erfahrung hat nichts mit Wissen zu tun. Wieviel Erfahrung hast du schon auf dem Wissensgebiet?
  3. Wenn du bei anderen feststellst, dass sie vom Dunning-Kruger-Effect betroffen sind, gib wertschätzendes Feedback. (siehe dazu meinen Blogartikel)
  4. Lies hierzu auch meinen Blogartikel zu den Kompetenzstufen (ich habe beide Formate verbunden)

Nico Pirner ist NLP Lehrtrainer und systemischer Coach  in Nürnberg. Neben den Coachings, die online und auch vor Ort stattfinden, bildet er in Nürnberg NLP Basic und Practitioner aus. Er ist Fachbuchautor und hält leidenschaftlich gerne Onlinepräsentationen zu neuen spannenden Themen, rund um das Coaching.
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